Das Leben und Schaffen eines leisen Künstlers

Faszination Stuck
Faszination Stuck

Vorwort

 

Ich gehe durch meine privaten Räumlichkeiten und weiß, ich wandle hier - wie auch im öffentlichen Raum - auf den Spuren meines Vaters. Diese Räume beherbergen die Kunst meines Vaters und im Betrachten der geschaffenen Werke teilt sich mir die Aura des Künstlers mit.

Vorwiegend sind es Figuren aus dem kirchlichen Leben, gearbeitet in feinstem Alabaster. Ich schaue in das Antlitz einer Madonna, die in den Farben Ultramarin, einem hellen Kadmiumrot und Echt-Grün gemalt ist und deren Krone und Einfassung des Gewandes in Blattgold verziert leuchten. Lachende, verschmitzte Engelsgesichter blicken mich an und verströmen Geborgenheit, ganz wie ich sie in fernen, reichen Kindertagen empfand. Zwei Puppen - aus dieser längst vergangenen Zeit - fanden ihren Platz in einer dunkelbraun lasierten Holzwiege, die mein Vater für mich mit lustig bunten Blumenmotiven im Stil der Bauernmalerei versah. Seine Arbeitswerkzeuge erzählen mir, gleich seinen geschaffenen Arbeiten, von seinem Leben und künstlerischen Schaffen, als wären sie zu einem Teil seiner selbst geworden.

Ich fühle mich aufgehoben in seiner Kunst und in vielen schönen Erinnerungen, von denen ich in diesem Buch erzählen möchte.

 

Am 29. Mai 1978 wurde eine umfassende Restaurierung des Innenraumes der Peterskirche beschlossen.  Die Wiederherstellung der zerstörten Wand- und Deckengemälde nach Appiani oblag den namhaften Kunstmalern Karl Manninger (geb. 1912, gest. 2002) und dessen Schüler und freier Mitarbeiter Hermenegild Peiker. ...

 

Zeitgleich galt es die Stuckatur der Peterskirche zu bearbeiten.

 

Das gesamte Stuckdekor wurde in aufwendiger und mühsamer Kleinarbeit freigelegt und zerstörte Stuckteile wurden sorgsam erneuert. Nur sehr wenige Stuckelemente konnten gänzlich im Original erhalten werden. Im Anschluss daran  erfolgte ein Kalkanstrich mit verschiedenfarbigen Stucklasuren, vornehmlich in einem zarten Grau/Grün.

Mein Vater arbeitete im gesamten Bereich der Peterskirche an den reichen Stuckfassungen wie auch an den vier Freipfeilern der Kirche. 

 

Die Inneneinrichtung von St. Peter folgt dem Stil des Rokoko. Bezeichnend hierfür sind überbordende Verzierungen in Form von geschwungenen Linien und rankenförmigen Umrandungen. Das opulente Stuckdekor, eindrucksvolle Freskenmalerei und reich verzierte Kristallleuchter, die unzählige Vergoldungen zum strahlen bringen, vermitteln eindrucksvoll das feinsinnige Lebensgefühl dieser Epoche.

Die vier Freipfeiler der Kirche in zartem Rosa sind mit weißen Pilastern gegliedert, deren Kapitelle in Rocaille Ornamenten enden. Sie sind beispielhaft für eine insgesamt elegante, reizvolle Farbgebung, bei der die opulente Stuckatur besondere Beachtung erfährt. ...